Rezension „Inside Islam – Was in Deutschlands Moschee gepredigt wird“ von Constantin Schreiber


„Problematisches Weltbild“


Der Journalist Constantin Schreiber sah sich in Deutschlands Moschee um – und wurde mit verstörenden Tatsachen konfrontiert

Er sei davon ausgegangen, sagte Constantin Schreiber in einer Talkshow, dass er in den Moscheen auf der Gesellschaft zugewandten und der Integration dienlichen Eirichtungen stoßen würde. Diese naive Einstellung ist weit verbreitet, von Constantin Schreiber jedoch, der arabischen Sprache mächtig und ehemaliger Moderator arabischer TV-Sendungen, hätte etwas mehr Realismus erwartet werden können.
Schon in der Einleitung seines Buches „Inside Islam – Was in Deutschlands Moschee gepredigt wird“ liefert er genügend Beispiele, die seiner formulierten Erwartung entgegenstehen:
„Im Januar 2015 geriet die Al-Nur-Moschee in Berlin-Neukölln in die Schlagzeilen, weil der ägyptische Gastprediger Scheich Abdel Moez Al-Eila dort predigte, dass Ehefrauen sich ihren Männern nie sexuell verweigern dürften, da sie sonst von den Engeln verflucht würden. Frauen dürften nie ohne ihre Männer das Haus verlassen, auch keinen Beruf ausüben.
Im Juni 2016 lud ein Stuttgarter Moscheeverein den pakistanischen Prediger Raza Saqib Mustafai in die Al-Madina-Moschee ein. Zuvor hatte Mustafai öffentlich zum Judenmord aufgerufen.
Im Dezember 2016 steuerte der Tunesier Anis Amri einen LKW in den Weihnachtsmarkt an der Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche. Zwölf Menschen starben, mehr als fünfzig wurden verletzt. In den Blickpunkt geriet der Moscheeverein Fussilet 33 e.V. in Berlin Moabit. Dort soll Amri sich mit Salafisten getroffen haben.“
Anlass für den ersten Moscheebesuch, der schließlich den Ausschlag zu der Sendung „Moschee-Report“ und das Buch „Inside Islam“ gab, war ein Auftrag für eine Fernsehsendung, eine Freitagspredigt in einer Moschee zu portraitieren. Da sich das für ein TV-Format nur mit einem Kamerateam und entsprechender Drehgenehmigung realisieren lässt, landete er schließlich in der Moschee der Lahore-Ahmadiyya, eine Strömung innerhalt der Ahmadiyya Muslim Jamaat (AMJ) in Berlin Wilmersdorf.
Die AMJ gelten gemeinhin als die „guten Muslime“, nach außen hin zeigen sie sich der Gesellschaft zugewandt und freundlich. Was sich eben auch darin ausdrückt, dass sie als eine von wenigen Moscheen ein Kamerateam willkommen heißen. Allerdings, dieser Schein trügt. Es gibt schwere Vorwürfe gegen die Organisation, u.a. Flüchtlinge finanziell auszu- und mit dem Eintritt in die Gemeinschaft zu erpressen. Im Gegenzug erklärt die AMJ sich bereit, den Geflüchteten zu attestieren, dass sie aufgrund ihrer Zugehörigkeit zur AMJ in Pakistan politisch verfolgt worden seien. Die AMJ gelten als „abtrünnig“ da sie den Sektengründer als Propheten verehren. Weshalb sie tatsächlich in vielen muslimischen Staaten und auch in Pakistan, wo die Sekte ursprünglich gegründet wurde, verfolgt wird. Andererseits wird ihnen in Pakistan eine Reihe von Gräueltaten zur Last gelegt. Die Erpressungsversuche machte die hessische LINKEN-Politikerin Samina Khan öffentlich, die Gewalttaten die Ex-Muslimin Sabatina James.
Die Mitglieder werden auf Glaubensgrundsätze verpflichtet, in denen sie u.a. darauf schwören müssen, dass ihnen die Gemeinschaft wichtiger sei, als die eigenen Kinder.
Kinder wiederum gelten bis zur Volljährigkeit als Besitz der Sekte. Voreheliche sexuelle Kontakte sind verboten, es herrscht eine strikte Geschlechtertrennung und der Schleierzwang für Frauen.
In Hessen musste sich die Familie Khan vor Gericht verantworten, weil sie gemeinschaftlich ihre Tochter Lareeb umgebracht haben soll. Das sieht das Gericht für erwiesen an, der Vater gab die Tat auch zu. Die Mutter wurde trotzdem zu einer Haftstrafe verurteilt, weil das Gericht davon ausgeht, dass sie die treibende Kraft war. Lareebs „Vergehen“: Die 19jährige hatte eine Beziehung zu einem Studenten. Dessen Eltern waren ebenfalls in der AMJ aktiv. Lareebs Eltern hatten beide eine Funktion in der Gemeinde inne. Wäre die Beziehung ihrer Tochter bekannt geworden, wären sie aus der Gemeinde verstoßen worden. Also haben sie die Tochter kurzerhand umgebracht – damit war in ihren Augen das Problem gelöst (https://www.peri-ev.de/aktuell/fall-lareeb-khan/1-bericht-lareeb/).
In der Moschee interessierte sich Constantin Schreiber nicht nur für die Predigt, sondern auch für eine kleine Broschüre, die dort ausgelegt wurde. Darin wird u.a. die Nation als „westliche Krankheit“ bezeichnet. „Gott allein ist der Gesetzgeber.“ … „Nicht nur Nation, Gesellschaft und Gemeinschaft müssten neu gedacht werden, sondern auch die Revolution. ´Die islamische Revolution ist in ihrem tiefen Streben radikal anders als die westlichen Revolutionen`, da sie einen ´Wechsel des Ziels der Gesellschaft selbst` beinhalte. ´Wir wollen einen großen Traum träumen: den Traum, dass die großen westlichen Nationen … Zentren zur massiven Verbreitung dessen errichteten, was der Islam uns heute bringen kann`.“
Constantin Schreiber merkte sich den Namen des Autors und googelte ihn: „Es handelte sich um den verurteilten französischen Holocaust-Leugner Roger Garaudy.“
Seine Wege führten Constantin Schreiber auch in die Hamburger Centrum-Moschee. Diese gilt als Zentrale der fundamental-islamischen „Islamischen Gemeinschaft Millî Görüş“ (IGMG) und stellt mit Mustafa Yoldaş einen der drei Vorsitzenden des „Rates der Islamischen Gemeinschaften“ (SCHURA), mit dem der Hamburger Senat einen Staatsvertrag geschlossen hat, der den angeschlossenen Moscheen und Vereinen quasi Narrenfreiheit einräumt. Die Centrum-Moschee geriet in der Vergangenheit in die Schlagzeilen, weil dort Kindercassetten vertrieben wurden, auf denen zu sehen war, wie israelische Soldaten palästinensische Kinder ermorden. Vom Hamburger Abendblatt dazu befragt, fand Mustafa Yoldaş das „in Ordnung“. Schließlich müsse auch Kindern die Lebensrealität der Palästinenser nahegebracht werden.
Auch Bilal Gülbaş, Vorsitzender der „Islamischen Hochschulgemeinde“, die der Universität einen Vertrag, den „Verhaltenskodex Religionsausübung“ abgetrotzt hat, ist ein Produkt der Centrum-Moschee. Obwohl auch der „Verhaltenskodex Religionsausübung“ den Religionsgemeinschaften an der Uni sozusagen Narrenfreiheit garantiert, reicht dieser Bilal Gülbaş nicht. Ihm gefällt nicht, dass laut des Regelwerks öffentliches Fastenbrechen in Uni-Gebäuden verboten ist (https://www.welt.de/regionales/hamburg/article169771272/Hamburger-Universitaet-muss-religioesen-Verhaltenskodex-einfuehren.html).
Der Imam, Yusuf Yildiz, beschrieb Constantin Schreiber seine Motivation, dieses Amt auszuüben: „Jugendliche und Kinder für die Gesellschaft zu gewinnen“. „Die Gesellschaft“ meint die islamische Gemeinschaft, die Umma.
Mitunter wunderte sich Constantin Schreiber über die kryptischen Botschaften und braucht nicht nur eine Übersetzung arabisch – deutsch (er sichert die eigenen Sprachkenntnisse durch Hinzuziehung eines vereidigten Dolmetschers ab) oder türkisch – deutsch, sondern Predigt – Klartext. So war z. B. von Dattelhainen die Rede und allerhand anderen Bildern, die der Autor nicht mit der Lebensrealität der Moscheebesucher in Deutschland in Einklang bringen konnte. Diese Übersetzung gab ihm dann z. B. Susanne Schröter von der Frankfurter Forschungsstelle Globaler Islam: „Der Bezug auf Datteln und Kamele ist Programm, mal lebt geistig in dieser märchenhaften Welt, die ja sehr bildhaft ausgemalt wird. Das Bestreben ist, dass die Gemeindemitglieder in dieser Welt gehalten werden und nicht in Deutschland ankommen, weil man glaubt, dass von der deutschen Gesellschaft ein schädlicher Einfluss ausgeht, dass das Virus der Freiheit ansteckend ist.“
Das ist das große Plus in Constantin Schreibers Buch „Inside Islam“: Alle Predigten versucht er mit dem jeweiligen Imam zu diskutieren, was leider nur selten gelingt, mangels Sprachkenntnissen – aber auch mangels Bereitschaft der Geistlichen. Zudem diskutiert er sie mit Expertinnen und Experten, die dann eine entsprechende Einordnung vornehmen. An bestimmten Sprachcodes lässt sich die Zugehörigkeit der Muslimbruderschaft (MB) erkennen, an anderen z. B. die Einschwörung auf die Feindschaft zu den Mitgliedern der Gülen-Sekte, oder Verhaltensregeln für Männer und Frauen, oder die Ablehnung der Mehrheitsgesellschaft als „unrein“.
Constantin Schreiber stellte fest, dass die Predigten allesamt gut besucht waren, häufig von Geflüchteten frequentiert wurden, auch von solchen, die seiner Einschätzung nach zu der Uhrzeit eigentlich die Schulbank drücken müssten.
Außerdem stellte er fest, dass er durchaus freundlich aufgenommen wurde seitens der Gläubigen und fragte sich, warum so wenig Deutsche in die Moschee gehen, einfach, um sich das mal anzuschauen, schließlich stünden sie ja „jedermann“ offen.
Genau, das ist das Problem: jeder Mann. Uns Frauen stehen die Moscheen nicht offen – auch nicht den Musliminnen. Wenn überhaupt, dürfen Frauen nur in gesonderten Bereichen am Gottesdienst teilnehmen. Moscheen sind Männerhäuser, finanziert durch reiche Scharia-Staaten oder auch staatlich alimentiert.
Trotz seiner naiven Herangehensweise ist Constantin Schreiber ein großartiges Buch gelungen. Das zugegebenermaßen wegen der komplett abgedruckten Predigten, bzw. deren Übersetzung schwer zu lesen ist. Neben den Predigten, wenn deren Botschaft erst einmal entschlüsselt ist, sind sowohl die Reaktionen der Imame als auch die Einordnungen verschiedener Islam-ExpterInnen äußerst aufschlussreich. Eigentlich völlig unverständlich, dass das Buch kein größeres Echo ausgelöst hat.

Schreiber Constantin, Inside Islam – Was in Deutschlands Moschee gepredigt wird, ECON Verlag, Berlin 2017, 253 S., 18 €


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