#unteilbar auch in der Modewelt

Derzeit läuft im „de Young Museum“ in San Francisco eine Ausstellung unter dem Titel „Contemporary Muslim Fashion“ (Zeitgenössische Muslimische Mode). Im April soll sie im Frankfurter „Museum angewandte Kunst“ einziehen.

Was auf den ersten Blick nach Hijab und Burka in bunt statt braun klingt, entpuppt sich nach intensiverer Auseinandersetzung sozusagen als Entsprechung von #unteilbar – eine Demonstration, bloß von Mode statt Gesinnung.

Wie auch bei der #unteilbar-Demonstration am 13.10.2018 in Berlin präsentieren die Ausstellerinnen sozusagen einen Kessel Buntes, darunter einige Halāl-Designerinnen, z. B. die Erfinderin des Burkinis. Diese sind aber in der Minderheit, die meisten kreieren bunte Mode, mit – und vorwiegend ohne – Kopfbedeckung, z. T. ziemlich schrill.

Dieser Rahmen bietet den Schutz für die Hardcore-Fundi-Mode, die uns als Muslim-Style, contemporary noch dazu, präsentiert wird.
Gerade in der politischen Szene, die am 13.10.2018 in Berlin primär sich selbst feierte, gilt es als Zeichen von Toleranz und Fortschritt, die fundamental-islamische Kostümierung als gleichberechtigte Lebensform zu akzeptieren – zumindest solange es Frauen sind, denen sie aufgezwungen wird.

Bislang gibt es keinen Ausstellungskatalog, so dass es noch im Reich des Spekulatius liegt, welcher Modestil dort präsentiert werden wird. Deshalb habe ich mich intensiver mit den AustellerInnen beschäftigt.

Nachdem ich mir alle DesignerInnen angesehen habe, fühlte ich mich irgendwie an #unteilbar erinnert.

Unter 53 Ausstellerinnen habe ich 12 gefunden, deren Entwürfe eindeutig die islamische Kleidervorschrift zugrunde liegt. Bzw., die nach der Prämisse „contemporary“, sprich modische Neuheiten, kreiert haben. Darunter die Erfinderin des Burkinis, die auch ansonsten halāl-Bademoden konzipiert.

Von diesen 12 wiederum hält sich etwa die Hälfte an die klassische „muslim fashion“, die wir auch aus den hiesigen Hijab-Stores kennen. Die andere Hälfte produziert auch Hijab Wear, aber nicht streng klassisch, und die meisten von denen entwerfen ansonsten querbeet, z. T. klassische Mode, z. B. Abendgarderobe, z. T. kunterbunt, schrill und witzig, manche völlig schräg. Mit und – vorwiegend – ohne Kopfbedeckung.
Das gilt übrigens für alle, zu denen ich Infos fand, mit Ausnahme der rein halāl designenden: Eine Modenschau, wie ich mir ´ne Modenschau so vorstelle. Manche Stücke gefallen mir, bei manchen schlage ich die Hände überm Kopf zusammen. Bei vielen Kleidern empfinde ich es als wohltuend, dass sie nicht so körperbetont objekivierend, sexualisierend sind.

Die Frage ist, was davon tatsächlich den Weg in die Ausstellung finden wird.

Die Fotos, die ich im Netz von den Designerinnen gefunden haben, stellen sowohl Frauen mit als auch ohne Hijab dar. Mit Hijab eigentlich nur die, sofern ich Fotos von ihnen gesehen habe, die dann auch halāl designen.

Zu den Ausstellern gehört u.a. auch ein Schwuler, der völlig schrille Mode entwirft, wenn ich es richtig entsinne auch schon Filmkostüme entworfen hat und sich mit Conchita Wurst ablichten lässt.

Ganz klar ist mir bei der Recherche geworden, dass die westliche Modewelt den Orient (als Schlagwort) schon lange für sich entdeckt hat. So hat Vogue Vogue Arabia konzipiert und Vogue Italia ebnete einigen der Designerinnen aus den islamischen Staaten den Weg in die westliche Modewelt, erste und wohl wichtigste Station: Mailand.

Aber auch das ist nicht nur klassische Hijab Wear, sondern z. B. die Designerin Wadha Al Hajri aus Qatar, die eine Kollektion den Zelt knüpfenden Beduininnen gewidmet hat. Eine meiner Ansicht nach spannende Frau, direkt aus dem Herzen des islamischen Fundamentalismus, mit der ich mir eine spannende Diskussion vorstellen könnte.

Was ich im Netz gefunden habe, stützt jedenfalls nicht meinen ersten Eindruck, dass via „Contemporary Muslim Fashion“ die Hijab-Stores ein etwas weniger angestaubtes Image und knallige Farben verpasst bekommen. Z. T. hat die Mode wirklich nix mit dem Islam zu tun (das gibt’s!), außer dass die Designerin Muslimin ist. Vielleicht nicht einmal das, sondern möglicherweise stammt sie – oder ihre Familie – lediglich aus dem muslimischen Raum.

Trotzdem bilden die ansprechenden, frechen witzigen Modelle natürlich den Rahmen, in dem die klassische muslimische Mode einem breiten Publikum präsentiert und somit normalisiert wird.
Genau dieser Rahmen wird die Kritik daran erschweren.
Wir werden sozusagen ein Déjà-vu der Diskussion um #unteilbar erleben.


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